Feiste Inhalte, getarnt als Nichtigkeiten.
About Ask Archives RSS Search
ausgeschnitten.9.9.69

Bildung ist die Aktivierung deines inneren Wissens und der inneren Wahrheit, die immer bei dir ist.

Indem du deinen Blick nach innen richtest und dich in der „Außenwelt“ weiterbildest, wirst du immer imstande sein den Unterschied zwischen der reinsten Musik und falschen Tönen zu bemerken.

~Eva Fruit

ausgeschnitten.9.9.68

Gleich mehrmals öffnet sich der Boden unter den Figuren, der Hass droht sie zu verschlingen, dann springen sie zurück und bedecken den Abgrund mit einem provisorischen Boden: Small Talk, Schmeichelei, einem Seien-wir-doch-vernünftig! Jedoch, schon ein paar Minuten später tut sich der Abgrund wieder auf, ein Zimmervulkan der verdrängten Wut offenbart sich, es ist der Gott des Gemetzels, der Hass zwischen uns allen. Es ist die pure Mechanik, und sie können nichts dagegen tun, es ist stärker als sie. Das Zwanghafte, es sitzt in den Augenfalten von Jodie Foster, im gemütlichen Gesichtsfett von John C. Reilly, im Grinsen von Christoph Waltz, in der bodenlosen Nervosität von Kate Winslet. Wenn man davon redet, dass hier ein Turnier unter Großmeistern stattfindet, dann muss man auch sagen, wer es gewinnt. Es ist der Europäer Christoph Waltz, dessen ergebenes Höflichkeitsgrinsen die Errungenschaft einer offenbar untergehenden Zivilisation ist: ein elastisches, überdehntes, an die Grenzen des Möglichen gehendes Friedenssignal, unter welchem die Mundwinkel und das ganze Waltz-Gesicht zu zerreißen drohen, ein Lächeln, welches an einen überspannten Bogen erinnert: die größte Wut, in einen Habitus umgeschlagen – nach innen gestülpter, konkaver Hass sozusagen.

Peter Kümmel: Von schlimmen Eltern in “Die Zeit” / 24.11.2011

ausgeschnitten.9.9.67

[…] Solange ich ein Modell nicht als das einzige, das beste und schönste darstellen muss, kann ich darauf verzichten, die Wahrheit des Modells in den Vordergrund zu stellen. Das Modell muss nur helfen, es muss funktionieren, nicht die Wahrheit verkörpern. Sobald ich aber wieder an etwas glaube, bin ich gleich mitten drinnen im Dschungel der Wahrheiten. An was denn sonst sollte ich glauben, wenn nicht an die Wahrheit? […]

Heinz Peter Wallner aus “Brauchen wir Meinung und Wahrheit?” (hpwallner.at) / 11.04.2010

ausgeschnitten.9.9.66

Der ökonomische Siegeszug von iPad und iPhone geht mit einem schrecklichen emotionalen Niedergang einher, wie ihn zuvor Bionade, Latte Macchiato und Joschka Fischer erlebt haben. Ein ursprünglich angenehm anderes Etwas, das seinen Anhängern ein Robin-Hood-Gefühl gab, ist durch seine Vermassung entleert worden. Was früher cool war, wird zum Inbegriff des Uncoolen. Was jeder hat, taugt nicht länger zum Abgrenzen. Das wertvollste Unternehmen der Welt produziert, was alle wertvollsten Unternehmen produziert haben: seelenlosen Krempel. Apple ist wie Sushi - einst exklusiv, heute Arschgeweih.

Hajo Schumacher auf SPIEGEL ONLINE / 27.08.2011

ausgeschnitten.9.9.65 sitzen, in einem raum, auf einem stuhl. das ist es. einfacher raum. einfacher stuhl. atmung geschieht. der körper ist warm. geräusche. essensgerüche. eine fliege brummt. das ist es schon. was für eine riesenenttäuschung für den verstand. er hat soviel mehr erwartet!

Jeff Foster im Interview mit Dietmar Bittrich in “sein” 2/2011

ausgeschnitten.9.9.64 

in mancher hinsicht kann man kunst definieren als vom menschen hergestellte objekte, deren hauptzweck es ist, auf sich selbst aufmerksam zu machen, und deren größter wert in den sinnlichen reaktionen liegt, die sie provozieren, evozieren oder verweigern. wirklich große kunst dient letztlich ebensowenig wie große musik einem zweck. john perreault: bemerkungen und anmerkungen zur zeitgenössischen kunst, aus “acid” - herausgegeben von rolf dieter brinkmann und ralf-rainer rygulla

ausgeschnitten.9.9.63 

raja-yoga, in einem etwas weiter gefassten sinn, ist ein geistiges yoga, eine form geistiger disziplin, die dem einzelnen einen weg der bewusstseinsentwicklung, der höheren bewusstwerdung, aufweist und dies ohne die möglichkeit, verantwortung - vor allem die für sich selbst zu delegieren, wie dies in fast allen “guru-traditionen” geschieht, auch den subtilsten. ich glaube, dass es dem mehrheitlich aus dem kosmischen lot geratenen menschen der herrschenden bewusstseinsformation vor allem anstünde, sich im tiefsten sinne selbst zu ergreifen oder, wie der romantische dichter novalis schreibt, “sich seines transzendenten selbstes zu bemächtigen”. genau dies ist genuines “westliches yoga”. asanas mögen dann zusätzlich praktiziert werden, essenziell sind sie nicht. möglich sogar, dass sie “stören” oder ablenken. gerade im hatha-yoga liegt auch die gefahr eines subtilen materialismus, einer körperbezogenheit, die das physisch-sinnliche nicht überschreitet, sondern gerade festzurrt, also das gegenteil von dem erreicht, was idealiter angestrebt wird.
letztlich können wir der frage nicht ausweichen, worum es überhaupt geht in der menschlichen existenz, was es auf sich hat mit dem menschen generell und dem einzelnen. dieser einzelne ist im kern auf sich selbst zurückgeworfen, kann sich nie entgehen (und darf sich auch nicht entgehen). jeder tod ist einzeln und individuell. täusche dich nicht darüber! ich glaube das jede spielart des spirituellen kollektivismus auf selbstbetrug und selbstverrat hinausläuft. gerade das selbst, so verhöhnt und missbraucht, bedarf der stärkung: über das vertiefte ich zum ich. über das kleine zum großen ich. dies ist der weg des “königlichen yoga”, wie ich ihn  verstehe. dr. jochen kirchhoff in “adyar” heft 3 / oktober 2008

ausgeschnitten.9.9.62 

[…] die zeit wurde als thema entdeckt, nicht zuletzt, weil sie durch die verbreitung öffentlicher uhren auch sichtbar wurde. nun wurden die menschen nicht mehr vom gestirnten himmel über ihnen regiert, fortan regierten sie sich, mit fleißiger unterstützung der chronometer selbst. gott dagegen wurde „zeitlich“ enteignet, die zeitherrschaft ging auf die weltlichen herrscher über. die teilten dann bald ihre untertanen in pünktliche und unpünktliche bewohner ein und nötigten sie, ihr leben nach terminen zu gestalten. das zinsverbot wurde aufgehoben, die ersten banken gegründet und die doppelte buchführung erfunden. kurz gesagt: der kapitalismus wurde auf jene schiene gesetzt, die später dann auch zum beschleunigbaren eisenbahnwesen führte. nicht mehr länger ist zeit ein gottesgeschenk, sie wird zur knappen ressource, mit der kalkulatorisch umzugehen ist. es ist die mechanische uhr, die den kapitalismus auf betriebstemperatur gebracht hat. […] gestern dann - vor ca. 250 jahren – wurde alles anders: […] obgleich in einem ausmaß wie nie zuvor in der geschichte zeit gespart wird, ist immer weniger von ihr da. … heute wird es wieder anders, anders schneller als bisher. beschleunigt wird jetzt immer mehr durch vergleichzeitigung, durch zeitverdichtung. … karriere machen nun nicht mehr die pünktlichen, karriere machen die flexiblen. […] geschwindigkeit wird alles sein. “bist du nicht der schnellste, dann bist du der letzte”,… […] untersuchungen zeigen eine deutliche steigerung unserer sprechgeschwindigkeit. […] was aber tun wir eigentlich mit der zeit, wenn wir sie gerade eben mal nicht beschleunigen? dann nutzen wir sie, um ordnung in unserer nahen und fernen welt zu machen. […] spätestens in der ersten klasse der grundschule müssen kinder lernen, wie man die zeit an der uhr ablesen kann, und daß es die zeit der uhr ist und nicht das eigene zeitgefühl, nach der man sich zu richten hat. […] man sollte zur kenntnis nehmen, daß die zeit nicht schnell und auch nicht langsam vergeht. wir laufen nur zu schnell oder zu langsam an ihr vorbei. das kann man vermeiden. und das sollte man auch vermeiden.

prof. dr. karlheinz geissler in “weleda zeitschrift” sommer 2008
ausgeschnitten.9.9.61 

[…] der integrale ansatz ist eine ernsthafte möglichkeit, theorie und praxis als eine einheit zu verstehen. diesen ansatz anzuwenden, und in den gesellschaftlichen bereich zu übertragen, ist anspruchsvoll und komplex, und es bedarf eines sensiblen und zugleich mutigen vorgehens. es ist von großer bedeutung, hilfreiche werkzeuge aus verschiedenen ansätzen zu nutzen und miteinander zu kombinieren, ohne deren essenz zu verwässern. um der gefahr der beliebigkeit zu begegnen ist es wichtig, sehr genau traditionslinien und kontexte zu kennen, ernst zu nehmen und zu würdigen.

matthias ruff in “integrale perspektiven” ausgabe 11 - oktober 2008
ausgeschnitten.9.9.60 

wo sehen sie die positiven seiten der angst?

ich sage immer: angst deckt auf, was einem wichtig ist, und die eigenen werte kommen zum vorschein. wenn jemand sagt, mein höchster wert ist zu heiraten und meine beziehung darf niemals scheitern, dann wird man davor angst haben, dass der partner einen nicht mehr liebt. ängste sind die folge von grundwerten.

dr. hans morschitzky in “ursache&wirkung” 65 / herbst 2008
Horchata theme by Margarette Bacani. Made for and powered by Tumblr.